(* von Charlott Menke) Social Media findet heutzutage fast ausschließlich online statt. Egal ob FACEBOOK, TWITTER, XING etc., für all diese Netzwerke muss man vorm PC oder Smartphone sitzen, sich einloggen, und kann dann über die Tastatur eingeben, was gerade in seiner eigenen offline-Welt passiert. Kluge Köpfe haben sich aber schon vor geraumer Zeit überlegt, wie man die Online- und Offlinewelt miteinander verknüpfen kann.

QR-Code Trends

Wir berichteten vor kurzem von den QR-Codes, welche man mit dem Smartphone von unterwegs einscannen kann und dann automatisch auf Webseiten verwiesen wird. Auch diese entwickeln sich ständig weiter, werden auch optisch immer ansprechender und sind auf allen möglichen Flächen einsetzbar. nerdindustries.com zeigt uns wie in unserer Abbildung einige interessante Beispiele.

Setzt man die Codes richtig ein (die Zielgruppe sollte auch ein Smartphone besitzen), bieten sie als zusätzliche Informationsquelle (z. B. auf Werbebannern) eine clevere und interaktive Möglichkeit, Leser und Kunden direkt auf weiterführende Inhalte aufmerksam zu machen. Interessierte müssen den Code nur einscannen, was die Navigation mit einem Smartphone extrem vereinfacht.

In Deutschland könnte bald ein weiterer Trend seine Kreise ziehen, die sogenannte „mixed reality“ – besonders im Fashion Bereich. Damit meinen wir aber nicht die Schuhe von Adidas, die im FACEBOOK- oder TWITTER-Design zu erwerben sind. Diese sind zwar auch hübsch, können aber nichts weiter als gut aussehen und einen von A nach B bringen.

Mixed reality ist mehr! Der TWITTER-Schuh der Firma RAMBLER z. B. ist mit Druckpunkten in der Schuhsole ausgestattet. Via Bluetooth sendet er bei jedem Schritt ein „tap“, bei Stillstand ein „ . “ ans Handy des Benutzers, welches diese somit erstellte Schritt-Wort-Folge twittert. Dabei kommen dann Tweets wie

. . . . . . . . . . . tap . tap tap tap tap tap tap . tap tap tap . . . tap . . . tap tap . . . . . . . . . . . tap . . tap . . . . . . .

dabei raus. Als TWITTER-Schuh ist der Einsatz von Bluetooth jedoch nur eine nette Spielerei, die wirklich (fast) kein Mensch braucht. Nützlicher hingegen sind die GPS-Schuhe für Alzheimerpatienten, die eine Warnmeldung auf PC oder Handy schicken, sobald eine vorher eingerichtete Grenze überschritten wird (erster Einsatz in Deutschland bereits 2009). So können auch unsere älteren Mitmenschen nicht mehr verloren gehen!

Ein weiterer interessanter Artikel ist das Hug Shirt“ der Londoner Firma CIRCUIT . Das bereits 2004 in der Planung gewesene interaktive Shirt überträgt Umarmungen. Möchte der Träger eines „Hug Shirts“ einen Freund, der ebenfalls ein solches besitzt, umarmen, so drückt er auf die entsprechend markierten Punkte an seiner Kleidung. Diese Stimuli werden via Bluetooth auf sein Handy übertragen und gelangen dann automatisch zum Empfänger. Bei diesem werden dann im Shirt eingenähte, sogenannte Akturatoren, aktiv und lassen ihn die Umarmung fühlen. Damit soll dem ganzen technologischem Fortschritt auch eine warme, fühlende, menschliche Seite vermittelt werden. Eine echte Umarmung ohne Handy, qualmende Shirts und FACEBOOK wäre für die meisten von uns jedoch angenehmer, liebevoller und sicher auch menschlicher.

Im MIXED REALITY LAB der Universität Singapur wurde die Idee des „Hug Shirts“ aufgegriffen und zum „Huggy Pajama“ weiterentwickelt. Ähnlich wie beim „Hug Shirt“ werden hier Berührungen via Internet übertragen. Haupteinsatzgebiet ist hier allerdings die Familie, ganz dem Bedürfnis entsprechend, dass berufstätige Eltern zunehmend mehr Zeit außer Haus verbringen und ihre kleinen Sprösslinge bisher nur via Handy oder Skype-Videotelefonie ins Bett bringen konnten. Nun haben sie die Möglichkeit aus weiter Entfernung einen Teddybär oder eine Puppe mit eingebautem Sender zu kuscheln. Ihr Kind empfängt dies dann direkt über den „Huggy Pajama“. Die Innovation hierbei ist nicht nur, dass Druck übertragen wird, sondern ebenso Wärme. Zusätzlich können Eltern die Farbe von auf dem „Huggy Pajama“ angebrachten Accessoires, wie zum Beispiel aufgenähten Blumen, verändern und somit ihren Kindern eine „schöne Stimmung zaubern“. Welches Kind freut sich nicht über die blinkende Umarmung eines Plüsch-Bären.

Und noch ein Trend, den wir euch an dieser Stelle vorstellen möchten, gehört in den Bereich „Mixed Reality“, den der Kaugummihersteller WRIGLEYS für die Sorte 5gum nutzt. Hierbei kann man sich zunächst schwarz-weiß Symbole ganz bequem zuhause ausdrucken. Diese breitet man vor sich aus und kann sie hin und her bewegen. Via Webcam werden diese und ihre Bewegungen vom entsprechenden Internetprogramm erkannt und verschiedene Sounds werden zeitgleich abgespielt. Somit wird man offline zum Online-DJ.

Dies waren ein paar Trends, wie man die Onlinewelt mit der Offlinewelt verbinden kann. Sicherlich gibt es hier sehr gute Möglichkeiten diese Trends für Cross-Media-Marketing Kampagnen zu nutzen.

Aus KNIGGE Sicht jedoch sind die meisten Trends nicht wirklich salonfähig. Die meisten Ideen bedienen den Spieltrieb Social Media- und Netzwerksüchtiger, sind aber auch mit Gefahren verbunden. So lange ein GPS-Schuh oder ein kuschelnder Bär nur „unterstützend“ eingesetzt werden und die menschlichen Bezugspunkte nicht verloren gehen, sind diese Tools sicher sinnvoll und bieten viel Raum für Kreativität. Was nützt einem Alzheimerpatienten ein GPS-Schuh, wenn er allein nicht wieder zurück findet. Ein Kind, welches in 9 von 10 Fällen von einem Plüsch-Bären in den Schlaf gekuschelt wird, wird nicht die Erziehung erfahren die es braucht.

Sobald der Mensch und die zwischenmenschliche Kommunikation immer weiter durch technische Spielereien abgelöst werden, begeben wir uns in die Gefahr, menschliche Wärme, Gefühle oder Empfindungen nur noch via Skype oder Handy zu vermitteln. Ein Mensch und die Zuneigung von Familie und Freunden kann und darf durch technische Raffinesse nicht ersetzt werden.

*Charlott studiert seit 2006 Wirtschaftswissenschaften und hat sich in den letzten Jahren in Richtung Marketing vertieft. Seit geraumer Zeit beschäftigt sie sich nicht nur mit Social Media, sondern interessiert sich ebenfalls für weitere alternative Werbeformen, u.a. Guerilla Marketing. Seit einigen Jahren wurde ihr Hobby, die Fotografie, zum kleinen Nebenverdienst und seit Neustem schreibt sie auch Artikel für social-media-knigge.de.

1 Kommentar
  1. Colin sagte:

    Interessante Informationen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Freue mich auf neue Eintraege!

Kommentare sind deaktiviert.