* Gastbeitrag von Sebastian Kalms

Diese Woche hat der WDR/SWR mit einer beeindruckenden Dokumentation („Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt“) gezeigt, wie scheinbar skrupellos eine der größten Naturschutzorganisationen der Welt, der WWF, gegen seine seit 1961 bestehenden Ziele und Leitlinien verstöst und sowohl Mitglieder als auch Unterstützer wie KROMBACHER oder ECOSIA an der Nase herumführt.

Die Ziele des WWF:

1. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Erde

2. Die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

3. Die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten

Wilfried Huismann beleuchtet alle jene Anschuldigungen, welchen sich der WWF gerade versucht zu entziehen.

Die Dokumentation Teil 1:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Jnqg12v4qJQ[/youtube]

Die Dokumentation Teil 2:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=lHV22gYiXME&feature=related[/youtube]

Nach der Ausstrahlung der Dokumentation ist der WWF heftiger und zugleich absehbarer Kritik ausgesetzt. Nachdem erst gar nicht und dann nur zögerlich kommuniziert wurde, versuchen die NGO und einige treue Fans inzwischen den Befreiungsschlag zu schaffen. Dies reicht von einer Extra eingerichteten Sonderseite unter dem Titel „Faktencheck“ über Pinnwandeinträge auf der Facebook-Seite des WWF Deutschland bis hin zu einer von Mitarbeitern betreuten Diskussionsseite. Letztere hat es innerhalb eines Tages auf über 1000 Kommentare geschafft, die bisher allerdings nicht auf eine Befriedung der erhitzten Gemüter schließen lassen. Aktuell wird von vielen Akteuren die Suche nach den Schuldigen vorangetrieben. Mal sind die Medien insgesamt schuld, mal der Dokumentarfilmer und zuweilen auch die unreflektierten Kritiker in den zahlreichen Kommentarspalten. Dabei ist Huismann nicht irgend ein dahergelaufener Filmemacher, der es gerade auf den WWF abgesehen hat. Er ist dreifacher Träger des Adolf-Grimme-Preises und für investigativen Journalismus mit langem Vorlauf und hohem Rechercheaufwand bekannt. Nichts desto trotz sind seine Dokumentationen offensichtlich streitbar, wie das Beispiel „Rendezvous mit dem Tod: Warum John F. Kennedy sterben musste“ von 2006 zeigte. Aber die Kritik am WWF scheint zumindest nicht ganz neu, denn bereits 2009 unterzeichneten 80 Umweltschutzorganisationen einen offenen Brief an den WWF und forderten diesen darin auf, das “Greenwashing” zu unterlassen.

Letztlich lässt sich sicher Fragen, ob der WWF ein solches Fiasko hätte absehen oder vielleicht sogar verhindern können. Den Social Media Kanälen wird aufgrund deren Möglichkeiten wieder einmal eine entscheidende Rolle zugeschrieben. Sicherlich wirken sie wie ein Katalysator, der die Verbreitung erleichtert, beschleunigt und eventuell auch verstärkt. Aber, und das ist der Punkt, Facebook und Co. sind nichts weiter als das virtuelle Abbild sozialer Netzwerke und nicht deren Ursprung. Wenn es Missstände gibt, aus der die Unzufriedenheit einer breiteren Öffentlichkeit resultiert, dann wird sich immer auch ein Kanal finden über den sich diese äußert. Das heißt, auch ohne Facebook hätte es Leute gegeben, die die Kritik am WWF in ihr Netzwerk getragen hätten. Und es hätte Leute gegeben, die Stellungnahmen des WWF eingefordert hätten. Unde es hätte auch Leute gegeben, die aus dem WWF ausgetreten wären.

Kanäle wie FACEBOOK können also eine Auseinandersetzung beschleunigen, was dem WWF gerade jetzt, 50 Jahre nach Gründung, erheblich unter Druck setzt. In einem zweiten Teil werden wir daher die weitere Entwicklung der Diskussionen beleuchten. Wir sind gespannt, wie sich die breite Öffentlichkeit, Medien, der WWF und nicht zuletzt seine Partner verhalten werden.

Ein fairer Ansatz könnte der von Netzaktivisten angelegte Wiki-Eintrag sein, bei dem sich die Initiatoren eine lebhafte Beteiligung der Internetgemeinde wünschen, um die Sachlage nochmal “gegenzuchecken”. Nicht ohne Grund kommt ihnen dieses Vorgehen jetzt vielleicht bekannt vor. Es ist noch nicht lange her, als ein nicht gerade machtloser Funktionsträger auf der Basis von Fakten zu Fall gebracht wurde. Es bleibt zu hoffen, dass am Ende der Natur- und Artenschutz gewinnt, unabhängig davon wer zukünftig für diesen Eintritt.

Der Autor: Sebastian Kalms ist frischgebackender Absolvent der Angewandten Medienwissenschaft an der TU Ilmenau, Stipendiat des entwicklungspolitischen Lernzyklus ASA-Programm mit Praxispartner in Buenos Aires und bisher selbst Unterstützer des WWF. Er arbeitet bei Werbeboten Media im Bereich Social Media.