(Gastbeitrag von Sebastian Kalms) Vor drei Tagen öffnete Google sein soziales Netzwerk für Unternehmen. Google+ Your Business ist die klare Message, die zum Start der Pages ausgegeben wird. Diese sollen u. a. Unternehmen helfen sich dauerhaft mit ihren Kunden zu verbinden, aber der bisher ambitionierteste Facebook-Konkurrent bleibt mit seiner Unternehmenslösung vorerst hinter den Erwartungen zurück. Selbst die angekündigten Funktionen sind noch nicht flächendeckend ausgerollt und es überwiegt vor allem die Erkenntniss, dass es keine großen Unterschiede zum Konkurrenten aus Palo Alto gibt. Dennoch bleibt es spannend, denn besonders die angekündigten Verbindung von Google+ mit der eigenen Suchmaschine und Google Analytics erscheinen dem Unternehmen mittelfristig vielversprechende Vorteile zu verschaffen.

Unternehmensseiten bereits im Sommer angekündigt

Seit dem Start vor gut 100 Tagen ist es Privatpersonen möglich ein eigenes Profil anzulegen und sich mit anderen Nutzern zu verbinden. Weltweit haben sich bereits über 50 Mio Nutzer in dem sozialen Netzwerk registriert. Verglichen mit ähnlichen Diensten wie Facebook oder Twitter wächst Google+ damit am schnellsten. Bisher gab es für Unternehmen allerdings keine Möglichkeit dieses Potential zu nutzen. Zwar wurden teilweise Privatprofile als Unternehmensseiten missbraucht, diese wurden allerdings immer relativ schnell durch Google gelöscht. Mit den Google+ Pages ist dies hinfällig und das Unternehmen ist seinem Versprechen, noch in diesem Jahr eine Unternehmenslösung zu integrieren, nachgekommen.

Bisher keine großen Überraschungen und geringe Funtionalitäten

Grundlegend ist es Unternehmen mit den Google+ Pages nunmehr möglich auch in diesem sozialen Netzwerk eine Präsenz für sich, ihre Produkte und Marken zu schaffen, aber auch andere Organisationen, lokale Geschäfte, Vereine, Kultureinrichtungen und Gruppen können so mit den Google+-Nutzern in dauerhaften Kontakt treten. Optisch sind die Seiten an die Privatprofile angelehnt und damit auch dem Grundlayout der Facebook Fanpages äußerst ähnlich. Die Einrichtung ist recht einfach und die Menüführung übersichtlich. Mit wenigen Klicks ist die eigene Seite eingerichtet, was dann folgt sind einige wenige Gestaltungsmöglichkeiten. Nur bei der Bildergalerie bietet sich im Vergleich zu den Facbook Pages etwas mehr Spielraum bei der Gestaltung großflächiger Banner, weil die einzelnen Bilder nicht zufällig sortiert werden. Die bisherigen Möglichkeiten sind:

  • Seitenname
  • Untertitel
  • Webseite
  • Beschreibung
  • wichtige Links
  • 1 Profilbild (200 x 200 Pixel)
  • 5 Galeriebilder (125 x 125 Pixel)
  • Bilder
  • Videos

Funktionell bleiben die Seiten momentan hinter den Facebook Pages zurück. Es ist allerdings anzunehmen, dass dies teilweise eine bewusste Entscheidung von Google war, um den Nutzer langsam an die Möglichkeiten ihrer Pages heranzuführen. Bisher gab es für Google+ beinahe täglich Funktionserweiterungen. Das wird wohl auch die Pages in den nächsten Tagen und Wochen betreffen. Beim Start von Google+ haben die „Cirles“ den größten Unterschied zu Facebook ausgemacht, durch die Google gekonnt die Kommunikationsmöglichkeiten von Facebook und Twitter in seinem Dienst vereint hat. Nutzern ist es damit möglich ihre Beiträge mit einer selbst definierte Gruppe von Empfängern zu teilen. Darüber hinaus können sie den öffentlichen Beiträgen anderer Nutzer folgen, auch ohne mit Ihnen „befreundet“ zu sein. Durch die Einführung der Listen und der Abonnements ist dies inzwischen in ähnlicher Weise auch bei Facebook möglich, aber in wie weit dies angenommen wird und den konzeptionellen Unterschied in der Wahrnehmung der Nutzer wettmacht bleibt offen. Insgesamt entspricht der aktuelle Funktionsumfang der Google+ Pages dem der Privatprofile. Wichtig erscheint allerdings ein kleiner aber feiner Unterschied. Seitenbetreiber können erst dann eine Verbindung zu den Mitgliedern des Netzwerks aufnehmen, wenn sie selbst von diesen in einen „Circle“ (Nutzerkreis) aufgenommen wurden.

Aktuell haben Unternehmen die Möglichkeit mit bis zu neun Nutzern gleichzeitig über Livechats „face-to-face“ zu interagieren. Dies kann zum Einen im Sinne einer „Service Brand“-Strategie auf der eigenen Seite genutzt werden. Zum Anderen kann dies im Rahmen von Social Media Kampagnen interessant werden, weil eine entsprechend konzeptionierte Aktion durch die technische  Begrenzung deutlich an Exklusivität gewinnt.

Ähnlich wie bei Twitter wird auch auf den Google+ Pages durch ein Häkchen-Symbol der Hinweis angezeigt, ob es sich um einen um einen bestätigten Namen bzw. eine offizielle Seite handelt. Zum Start waren einige große Konzerne mit dabei und auch an diesen Beispielen sieht man deutlich, dass die große Sensation erstmal? ausgeblieben ist. Unter Betrachtung der aktuellen Möglichkeiten folgend dennoch ein paar gelungene Beispiele. Wie die Seite von Burberry beweist, lässt sich selbst mit begrenzten Mitteln etwas tolles “zaubern”.

Warum sich eine Google+ Page dennoch auszahlen kann

Als Zwischenfazit lassen sich also folgende Punkte festhalten. Erstens sind die Google+ Pages den Personenprofilen des sozialen Netzwerkes sowohl optisch als auch funktionell sehr ähnlich. Zweitens sind die Google+ Pages (vorerst) auf ein Minimum an Möglichkeiten begrenzt. Und Drittens sind die Facebook Pages damit dem neuen Dienst noch bei weitem voraus, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass bereits über wesentliche Änderungen in Anlehung an die Timeline für Privatprofile spekuliert wird.

Dennoch bleibt es spannend und es kann sich für Unternehmen durchaus bezahlt machen (auch) auf Google+ Pages zu setzen, denn Google hat seine Trümpfe noch lange nicht ausgespielt. Bereits in den nächsten Tagen will das Unternehmen seine Seiten flächendeckend in die eigene Suchmaschine integrieren. Aktuell werden die bestehenden Seiten noch nicht Präsent in den Suchergebnissen plaziert. Ebenso funktioniert Direct Connect noch nicht wie angekündigt. Zukünftig soll dies Google+-Nutzern die Möglichkeit bieten, die Pages schnell zu den eigenen Kreisen hinzuzufügen. Sie müssen ihren Suchanfragen lediglich ein Pluszeichen voranstellen. In diesem Zusammenhang bleibt auch abzuwarten wie die Suchmaschine auf „normale“ Suchanfragen reagiert, wenn ein Unternehmen bei beiden Netzwerken eine Präsenz unterhält.

Spannend bleibt auch die Auswirkung der Circels auf die Praxis von Seitenbetreibern. Als Voreinstellung gibt Google+ folgenden Gruppen vor, die natürlich änder- bzw. erweiterbar sind:

  • „Nur folgen“
  • „Kunden“
  • „VIPs“
  • „Teammitglieder“

Mal abgesehen von bekannten Premium-Kunden und Teammitglieder steht in Bezug auf zielgruppengrechte Kommunikation die Frage im Raum, auf welcher Grundlage weitere Gruppen angelegt und befüllt werden sollten. Wissen Nutzer im Zweifelsfall selbst am Besten welche Informationen sie erhalten wollen?

Weiterhin bleibt abzuwarten wie die angekündigte Integration in Google Analytics aussehen wird und ob die auswertbaren Daten einer Google+ Page sich besser mit der eigenen Webseite, Kampagnen, usw. verknüpfen lassen, als dies die Facebook Insights ermöglichen (können).

Letztlich spricht auch der kurzzeitig zu erwartende Hype und die schrittweise Einführung neuer Funktionalitäten für ein frühes Engagement in Google+. So kann der eigene Auftritt kontinuierlich auf- und ausgebaut werden und der Mehrwert im Vergleich zu Facebook getestet werden. Aktuell ist es daher ähnlich den Anfangstagen von Facebook und damit entsprechend dem olympischen Gedanken.

Dabei sein ist (vorerst) alles!

Der Autor: Sebastian Kalms ist frischgebackender Absolvent der Angewandten Medienwissenschaft an der TU Ilmenau. Er arbeitet bei Werbeboten Media im Bereich Social Media.

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