Likes werden noch immer gern gekauft, um die Fanpage gut dastehen zu lassen.

Likes zu kaufen ist unlauter und kann für Unternehmen und ihre Geschäftsführer schmerzhafte Folgen haben. Das sollte sich vor Augen führen, wer in Versuchung kommt, die eigene Seite etwas aufzumotzen. Dass gekaufte Likes die Interaktionsrate senken und Fanpages mehr schaden als nutzen, wissen leider längst noch nicht alle Marketer, die auf Facebook unterwegs sind – viele orientieren sich an der Anzahl der Likes als wichtigstem KPI. So besteht das Geschäft mit gekauften Likes weiterhin.

Likes werden noch immer gern gekauft, um die Fanpage gut dastehen zu lassen.

Likes werden noch immer gern gekauft, um die Fanpage gut dastehen zu lassen.

 

Konkret wurde ein solcher Fall im Sommer 2014 vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt. Ergebnis¹: Der Kauf von Likes ist verboten, da der Anschein entsteht, dass den Nutzern, die hinter den gekauften Likes stecken, das Unternehmen tatsächlich gefällt. Dies ist ein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb und bringt empfindliche Strafen mit sich: In diesem Fall wird für jede Zuwiderhandlung entweder ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000€ oder bis zu 6 Monate Ordnungshaft für den Geschäftsführer des Unternehmens fällig (insgesamt können hier 2 Jahre nicht überschritten werden). Klarer Fall: Wer Likes gekauft hat, sollte sie schleunigst wieder loswerden!

Einer Anmerkung von Prof. Dr. Stefan Ernst² zu dem Beschluss kann man weitere Details zum Fall entnehmen: Bei den gekauften Likes ging es wohl um etwa 15.000 Klicks auf den Gefällt-mir-Button, die aus Ländern stammten, in denen das Unternehmen nicht aktiv war. Nicht deutlich wird, mit welchen Mitteln die Existenz dieser Fans bewiesen wird. Tools wie Fanpage Karma erlauben es, die Zusammensetzung einer Fancommunity auf Länderebene anzusehen, und das auch für Seiten, die einem nicht gehören. Sollten solche Tools hier zulässig sein, dann kann sich niemand darauf verlassen, dass das mit den Likes schon nicht auffällt – erst recht nicht, wenn im großen Stil dazugekauft wird. Auch, wie der Einkauf der Likes bewiesen wird, ist unklar. Daher könnte es sich auch für Fanpage-Admins, die keine Likes kaufen, lohnen, gelegentlich zu überprüfen, woher die eigenen Fans eigentlich stammen: Wer beim Ads-Targeting nicht genau aufpasst oder etwa die Boost-a-Post-Funktion ohne Ländertargeting nutzte, gewinnt vielleicht ebenfalls Fans aus Ländern, in denen das eigene Unternehmen nicht aktiv ist. So wird möglicherweise verdächtig, wer nichts unrechtes getan hat. Damit reiht sich die Fangewinnung ein in die Situationen, die Fanpage-Admins rechtliche Probleme bereiten können. Für Unternehmen gehört dazu beispielsweise auch das Teilen von redaktionellen Artikeln zur kommerziellen Nutzung – dieses Verhalten kann Abmahnungen einbringen.

Aus dem Urteil geht außerdem hervor, dass der Streitwert dieses Falls mit 50.000€ festgesetzt wurde – Prof. Dr. Ernst merkt allerdings an, dass es für die Entscheidung gleichgültig ist, ob die Likes tatsächlich einen Wert haben. Um irreführendes Verhalten handelt es sich beim Kauf von Fans in jedem Fall. Wer mit dem Gedanken gespielt hat, die eigene Seite auf diese Weise zu pushen, sollte sich das also noch einmal ganz genau überlegen.

Wenn ihr eure Fanpage wirklich effizient im Marketing-Mix einsetzen wollt, statt mit illegalen und obendrein nutzlosen Aktionen Geld zu verbrennen, dann meldet euch bei uns!

Quellen:

¹LG Stuttgart, Beschluss vom 06. August 2014 – 37 O 34/14 KfH –, juris

²Ernst, jurisPR-WettbR 2/2015 Anm. 4

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  1. […] Firmen ist der Kauf von Likes ein Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.   Likes kaufen? Besser nicht!   Wer seine Fanseite diesbezüglich mal checken möchte, dem empfehle ich den […]

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